Dienstag, 8. November 2011

Assisi

Ja, ja lang lang ists her. Ich werde euch am besten einfach keine Ausrede präsentieren und sofort anfangen.
Wir waren nämlich vor schon wieder fast zwei Wochen in Assisi. Dort hatte nämlich der Papst die Vertreter aller Weitreligionen zu einem gemeinsamen Tag des Gebets versammelt. Wir haben also um 6 gefrühstückt, waren um 7:15 in der Messe und haben uns dann (uns= Die Mädels und Jungs der Schulen hier und ein paar Schwestern des örtlichen Konvents) in den Bus gesetzt und sind nach Assisi gefahren. Während der Fahrt wollte ich ein bisschen Schlaf nachholen, aber es wurde beschlossen einen Film über den Heiligen Franziskus zu gucken. ("Franziskus") Das war auch echt gut, denn ich muss leider gestehen, dass ich nicht nur nie besonders viel über die Heiligen erfahren habe, sondern auch nie besonders interessiert an deren Leben war. Vorallem wohl deshalb, weil ich einfach nur an einen Gott glaube und ihm regionalen Volksglauben (so möchte ich das jetzt hier mal nennen) mir die Heiligen immer als Zweitgötter vorkamen, die das Christentum einfach vom Heidentum übernommen hatte. Ich habe erst in letzter Zeit kapiert, dass Heilige einfach nichts anderes sind, als Leute, die einfach klasse das Christentum gelebt haben und so durch ihren Mut ein Beispiel auch für uns sein können. So war ich recht froh um den Film, denn so hab ich wenigstens ein bisschen was erfahren (denn wir haben natürlich in der kurzen Busfahrt nicht den ganzen Film sehen können. Außerdem saß ich natürlich ausgerechnet an dem Platz, der am weitesten von dem Minibildschirm entfernt war). Alter Spalter. Dieser Franzsikus war echt krass drauf. Da hat der eine nette Familie, eine Vater, der seinen Sohn wahnsinnig liebt und ihm ein gut florierendes Stoffgeschäft hinterlassen will, und so vorallem eine gesichterte Zukunft (was in unserer Zeit ja immer noch vielen sehr wichtig erscheint - ua mir) und was macht er? Verkauft alles, was er besitzt und schenkt es den Armen. Und warum? Weil es in einem schon mehrere hundert Jahre alten Buch steht. Ohne jegliche Sicherheit außer seinen Glauben an diesen Gott, von dem dieses Buch erzählt. Wahnsinn. Was für ein Vorbild. Gut. Film geguckt und in Assisi angekommen.
Auch die Stadt ist wirklich wunderwunderschön. Nichts vom Krieg zerstört und so hat man das Gefühl, dass wenn man die Stadt auf dem Hügel (das alte Assisi) betritt, in dieselbe Stadt einzutreten, in der dieser Kirchenrevolutionär gelebt hat. Unglaublich schön. Fahrt da hin!!! Und nehmt mich mit, denn ein Tag... zu wenig! Wir sind also da raufgelaufen, haben GenRosso und GenVerde (die Bands der Foki-Bewegung) beim Proben zugeschaut und sind dann in die Basilika eingetreten (tut mir leid, mein Deutsch ist schrecklich :D). Diese besteht aus 3 Teilen: dem Grab des hl. Franziskus, der alten Basilika unten und der neuen oben. In das Grab konnten wir leider nicht, weil da der Papst später noch vorbeigeschaut hat, aber die untere Basilika ist wirklich eine der schönsten Kirchen der Welt. Der Altarteil ist außschließlich mit original Giottofresken ausgekleidet. Wunderschön. Giotto wird da durch charakterisiert, dass er seine Personen a) in Originalgröße "malt" und b) den Gesichtern der Personen genau den Gefühlsaudruck verleiht, den diese in diesem Moment spüren. Ein echtes Erlebnis, selbst für die, die nicht so viel von Kunst verstehen (wie ich ;)). Klasse. Blöd, dass man keine Fotos machen darf und niemand reden. Aber wahrscheinlich könnte man diese Bilder sowieso nicht als Foto festhalten. Die obere Kirche ist auch ganz nett, hat für mich allerdings weniger Stimmung. Was aber schön ist: Die ganze Lebensgeschichte des hl. Franziskus ist da oben abgebildet und so konnte ich den Film gleich wieder finden. Übrigens ist es hier so, dass man tatsächlich die Bilder, die man schon aus Büchern kennt, jetzt im Original sieht. Wahnsinn!
So viel zur Kunst. Aber, warum waren wir überhaupt da: Gebet. Das war nämlich auch echt beeindruckend. All diese Persönlichkeiten, um deren Religion willen, sich früher ganze Völker abgeschlachtet haben, beten da - jeder auf seine Art - für das, was sie alle wollen: den Frieden. Wirklich. Eine meiner Mädels hat danach gesagt: Wenn die das wirklich alle wollen, dann ist der Frieden wirklich möglich. So viel kann ich dazu jetzt auch nicht erzählen. Für mich war dieses Bild all dieser Religionsführer (und einer Repräsentantin von Nicht-Gläubigen) wichtig... das gibt Hoffnung. Wir können hoffen..
Noch was Nettes, was mir auf dem Rückweg passiert ist: ich hab den Papst 5 Meter von mir entfernt in einem Bus an mir vorbeifahren sehen und er hat uns gesegnet. Nicht, dass das jetzt irgendwie mein absolutes Ziel gewesen wäre, denn für mich ist der Papst immer noch ein Mensch, genauer gesagt, ein armer alter Mann, der lieber seinen Lebensabend in Bayern in seinem Häuschen verbracht hätte und sich nach der Wahl gefragt hat: Warum ich?? Und deshalb dieses Brimmborium aus einem Grund macht: Aus liebe zu uns, seiner Kirche. Danke, Benedetto. Aaaaaaaaaaaaber: (das Ende der Parenthese :D):So nah hab ich den Papst noch nie gesehen und werde ihn wohl auch nicht mehr so sehen :D.
Allen, die Fotos sehen wollen, ich mache hier keine, weil ich lieber alles genießen will, als ständig nach dem schönen Bild suchen, kann ich hier die Seite von Fari empfehlen, die eine absolut geniale Spiegelreflexkamera besitzt: http://rauhundzaertlich.blogspot.com/2011/10/assisi.html
Also, bis bald :). Ich bin jetzt nämlich nicht mehr Küchenverantwortliche und hab so ungefähr tausend mal mehr Zeit :D.
Becci
P.S.: Ich habe den schönsten Akzent im Italienischen: Denn der Papst spricht Italienisch wie ich :D

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