Donnerstag, 25. August 2011

Glück

Ich bin hier glücklich. Aber was unterscheidet mein Leben hier von meinem Leben zuhause? Wovon wird mir normalerweise erzählt, dass es mich glücklich, ausgefüllt und komplett macht? Da fällt mi zuallererst Geld ein. Und haben. Shoppen gehen macht nur dann Spaß, wenn ich am Ende auch irgendwas gekauft hat. Das Beste an einem Ferienjob ist, dass man sich nachher keine Gedanken mehr machen muss, wie viel Geld man ausgibt und man sich (fast) alles kaufen kann, was man will. Sicher, Geld wichtig. Ohne Geld kann man nicht leben, man kann niemanden einladen, man kann keine Familie ernähren, man kann nicht in den Urlaub fahren. Aber Geld macht auch nicht vollkommen glücklich. Man ist zwar unglücklich, wenn man zu wenig hat, aber Geld alleine... Nein. Hier spielt Geld gar keine Rolle. Ich verdiene durch meine Arbeit nichts und ich muss für mein Essen/ meine alltäglichen Dinge (Zahnpasta, Bodylotion, Briefmarken...) nichts bezahlen. Geld macht mich hier also nicht glücklich.
Erfolg, Erfolg macht glücklich. Sagen zumindest alle Väter, Beratungsagenturen und Horoskope. Die einzige Art von messbarem Erfolg habe ich in der Schule erlebt. Ab der 10ten war ich Klassenbeste und hab als 5.beste meiner Schule das Abi gemacht. Aber das hat mich nie glücklich gemacht. Ja schon, da war dieser Glücksschub, als ich meine Ergebisse bekommen habe, aber dann? Man müsste weiter erfolgreich sein, damit der Glücksflow bleibt. Also werde ich wohl wahrscheinlich dadurch auch nie voll glücklich. Hier gibt es eigentlich nichts, in dem ich erfolgreich sein kann. Außer man ist die, die am meisten liebt (im Sinne von Nächstenliebe), aber das hat so wenig mit Erfolg zu tun wie Teller spülen.
Vieler meiner Freunde gehen zum Ausgleich zu stressigen Phasen jedes Wochenende auf Parties. Vielleicht macht das ja glücklich. Aber mal ehrlich, kann ein Ereignis, für das man sich vorher betrinken muss, mich glücklich machen? Hinterlassen Küsse mit irgendeinem fremden Typen wirklich mehr als schreckliche Leere? Wenn man der Star des Abends war, war das dann wegen der eigenen Persönlichkeit oder das, was man den anderen präsentiert hat? Es gab schon so manchen lustigen Abend, aber manchmal wär ich einfach lieber zuhause geblieben. Wir trinken hier eigentlich nicht Alkohol, unsere Parties sind eigentlich hauptsächlich Abschieds- und Geburtstagsfeiern und sind gegen die Parties, die ich zuhause bekommen kann, eher Kindergeburtstage (mit Kuchen, Ständchen und Tanzen).
Ja, und dann ist da dieser eine Punkt, der angeblich 100% glücklich macht, weshalb alle danach suchen: ein Partner. Freund oder Freundin (hier im Sinne von boyfriend und girlfriend). Die wahre Liebe. The One. Die andere Hälfte, der/die Seelenverwandte. Die Person, die einen hundertprozentig verstehen wird, in den Arm nimmt, beschützen lässt, Verständnis hat. Für jede weitere Beschreibung findet sich der ein oder andere Hollywoodfilm (den wir auch gerne zusammen schauen können, hihi :)). Meine Erfahrung dazu ist folgende: Seit ich 13 war hatte ich mehr oder weniger glückliche "Beziehungen". In den ersten war ich zwar abschnittsweise auch glücklich, aber die meiste Zeit viel unglücklicher als ohne. Seit zwei Jahren bin ich jetzt fast ausschließlich glücklich in meiner Beziehung mit Görge. Trotz dieses Glücks bin ich in der 12. Klasse einen Nachmittag heulend zusammen gebrochen, weil ich das Gefühl hatte, die Schule nicht mehr zu schaffen und sowieso in allen Dingen des Lebens ein einziger Versager zu sein. Ich war unglücklich. Auch mit Freund. Denn kein Mensch kann mich vollkommen glücklich machen. Auch jetzt ist Görge nicht da.
Aber ich bin glücklich.
Warum?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen